Covid bei Kindern: Mamas im Lockdown

Sorge ums Kind & mit jedem erkrankten Kind fällt auch ein Elternteil aus

Spätestens wenn das Genesen-Kind auf halbem Schulweg aus dem Bus aussteigt und mit dem nächsten Bus wieder heimfährt, weil es Schmerzen beim Atmen hat, findet man „Kindern tut Corona eh nix“-Sager so richtig scheiße. Und überhaupt, wisst ihr, was es bedeutet, wenn ein Kind abgesondert ist, weil es Corona hat oder Kontaktperson ist? Für jedes Kind gibt es etliche Kontaktpersonen – Kinder, die mit abgesondert werden. Abgesondert heißt, das Kind muss sich Zuhause aufhalten. Ausschließlich Zuhause und wenn dein Kind noch Kleinkind bis Ende Volksschulkind ist, kannst es ja wohl schlecht allein daheim lassen. Also kommt zu jedem Quarantäne-Kind ein erwachsener Mensch dazu. Homedesaster – here we go again.

Beispiele gefällig? Willkommen bei uns daheim. Kind 1, fast 12 Jahre, Kind 2, 7 Jahre. Fast 12-jähriges Covid-Kind wochenlang tagsüber allein daheim, was es anfangs eh noch feierte, irgendwann halt nicht mehr. Bedeutete für meinen Mann und mich, eine:r von uns beiden fährt mitten von der Arbeit weg, sieht nach dem Kind und schaut, dass es was isst. In diesem Fall: er. Er hat näher und ist nicht so ein Mittagspausenverweigerer wie ich. Schlechtes Gewissen und Sorge ums Kind sind eh Standard.

Kind 2 zieht derweil zu Oma und Opa, auch das anfangs abenteuerlich. Wir Eltern teilen uns die Kinder irgendwann doch auf. Er übernimmt Covid-Kind, ich kleines Kind und zieh ebenfalls zu Oma und Opa. Great, ich bin jetzt ein Ü40-Kind und der Schulweg von Kind 2 ist ein bisschen länger, meine Nächte mit all dem was grad los ist ein bisschen kürzer, der Schlaf ein bisschen schlechter. Dazwischen PCR-Tests und Warten, Telefonate mit dem Infektionsteam – on Top zum „normalen“ Alltag, der ja sonst auch net unbedingt fad ist. Zum Glück zu einer Zeit, als die Testergebnisse noch zeitnah zurückkamen. Hab ich erwähnt, dass man sich als Eltern um das Covid-Kind sorgt auch wenn’s nur ein bisschen hüstelt? Ja, hab ich.

Soweit so gut, Covid-Kind ist nun ein Genesen-Kind. Kind 2 hat sich nicht angesteckt, wir gehen impfen. Kind 2 hat ein paar Stunden leichtes Fieber als Impfreaktion und geht am nächsten Tag nicht in die Schule. Selbiges Kind wechselt direkt in eine Erkältung und bleibt noch ein paar Tage daheim. Derweil testen einige Mitschüler:innen von Kind 2 positiv. Heißt, die restliche Klasse ist in Quarantäne. Und mit Quarantäne meine ich Absonderungsbescheid und mit Absonderungsbescheid meine ich, die Kinder bleiben daheim und nur daheim. Von den positiv getesteten Kids die Geschwisterkinder übrigens auch. Und wer noch? Eltern, also ein Elternteil jedenfalls. Welcher Teil das ist, dürfte in unseren Breitengraden keine Überraschung sein. Und es kotzt mich nurmehr an, dass Kinder in unserer Gesellschaft keinen Stellenwert und keine Lobby haben und die dazugehörigen Mamas grad auch nicht!

Für uns als Family bedeutet das, dass wir Kind 2 erst mal auch nicht in die Schule bringen. Super, dass ich selbst grad erkältet daheim rumkränkel und somit also eine Erwachsene – wenn auch ziemlich unbrauchbar – daheim ist. Und anschließend? Grüße gehen schonmal raus an Omas und Opas.

Und das ist ein Lagebericht der dem Idealfall entspricht und es ist kaum auszuhalten: Die Sorge ums Genesen-Kind, das neuerdings über Schmerzen beim Atmen klagt, das Erstklässler:innenkind, das daheim genug Platz hat für Homeschooling und ihre neuen Freunde und Freundinnen vermisst. Wie geht’s Familien, die in einer kleinen Wohnung wohnen, die vielleicht noch ein Baby haben und nicht Oma und Opa in der Nähe haben? Homeschooling neben Baby – super Sache. Bei Absonderungsbescheid nützen übrigens auch babysittende Verwandte und Bekannte nix, weil das Kind die Wohnadresse nicht verlassen und auch niemand zu Besuch kommen darf.

Also wenn noch einmal jemand meint, mei, Kindern tut das eh nix. Erstens: Doch, leider mitunter schon. Selbst bei mildem Verlauf, Long Covid klingt eher unspaßig.

Zweitens: Ihr meint, es tut den Kids nix, wenn sie 2 Wochen oder – wie bei unserem Genesen-Kind der Fall – 3 Wochen lang das Zuhause nicht verlassen dürfen?

Drittens: Und die Eltern? Habt ihr eine Ahnung wie beschissen das für Eltern ist? Zumindest für Mamas. In vielen Familien gehen Betreuungspflichten an den Vätern ja nach wie vor ziemlich spurlos vorbei. Jemand muss jedenfalls die Quarantäne-Kinder betreuen. Könnt ihr euch an Homeschooling erinnern? Homeschooling plus Homeoffice gleich Hölle. Müssen wir die Kinder und Mütter echt nochmal durch diese Hölle schicken? Was Covid-Erkrankungen bei Kindern für die Lehrer:innen bedeutet, kann man sich auch vorstellen, wenn man mag: Neben dem Verwaltungsaufwand, den jeder positive Fall bringt, heißt das je nach Schulstufe Umstellung auf Hybrid-Unterricht oder Distance Learning, Lernpakete für die Kleinen schnüren und und und.

Und klar, ein Absonderungsbescheid wird schon als Grund für Pflegeurlaub gelten. Das ist auch für die Firmen ganz toll, wenn die halben Eltern wegbrechen. Und wer geht denn in Pflegeurlaub? Mami oder Papi? Super, wenn Mamis einmal mehr als die gelten, auf die man sich als Arbeitgeber:in nicht verlassen kann. Zum Heulen ist das! Oder schreien. Oder anzünden. Der Lockdown für Mamas von betreuungspflichtigen Quarantäne-Kindern hat jedenfalls begonnen. Interessiert halt keinen, aber jetzt müssen wir alles tun um die Wintersaison zu retten. Gesundheitssystem, Kinder, Mütter, Menschenleben – meh, halb so wild. Die Wintersaison, Leute, die Wintersaison.

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